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International Business: Der Iran … viel mehr rauszuholen als nur Öl und Gas

Der Iran – Es ist viel mehr rauszuholen als nur Öl und Gas

 

> Amor Dhaouadi

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Seit der islamischen Revolution im Jahr 1979 war die islamische Republik Iran (im folgenden einfach Iran genannt) immer ein Hauptthema in der internationalen Politik, sei es wegen der Geiselnahme in der US-Botschaft, sei es wegen des Iran-Irak-Kriegs (1980-1988), oder zuletzt wegen des umstrittenen Atomprogramms des Landes. Keinem Land wurden so viele Sanktionen auferlegt wie dem Iran.

Nach jahrelangen Verhandlungen zwischen dem Iran und der P5+1-Gruppe atmet nun die Welt auf, dass ein friedlicher Abschluss des Konflikts erreicht worden ist. Das freut die Geschäftswelt, sowohl im Iran als auch in Europa. Firmenmanager erhoffen sich lukrative Geschäfte von diesem Abschluss.

Dieser Artikel versucht, Antworten zu vielen Themen zu geben, die besonders wichtig sind, um erfolgreich Geschäfte im Iran zu machen. So wird ein Überblick über die Wirtschaftsfelder gegeben, die für das Land die höchste Priorität geniessen. Wie es aber nicht anders zu erwarten ist, zum Geschäft gehört auch Herausforderungen, die bewältigt werden müssen.

Sanktionen und was sie bewirkt haben

Wie im vorherigen Abschnitt kurz erläutert war der Iran seit 1980 über Jahrzehnte Ziel von US-Sanktionen. Der Umfang der Sanktionen wurde im Laufe der Jahre immer ausgeweitet und intensiviert. Die von UNSR2, EU und USA gegen den Iran seit sieben Jahren verhäng-ten Sanktionen erfassten fast alle Bereiche der Wirtschaft, des Finanzsystems und der politi-schen Elite im Land. So wurden unter anderem Geldvermögen von Firmen, der Iranischen Zentralbank und von wichtigen Personen des politischen Sys-tems im Iran eingefroren. Die Exportausfuhren von Öl und Gas wurden drastisch reduziert. Weite Sektoren des Wirtschafts-lebens (wie die Autoindustrie, die Pharma-Industrie, die Berg-bauindustrie) wurden von den Sanktionen stark betroffen. Dies liegt vor allem darin, dass viele Technologieprodukte und Ma-schinen sowohl für militärische als auch für zivile Zwecke hätten verwendet werden können.
In Zahlen kann man die Auswir-kungen der Sanktionen in eini-gen Schlüsselindikatoren zu-sammenfassen:

  • BIP (Bruttoinlandsprodukt): in den Jahren 2011-2013 ist die iranische Wirtschaft um 10% geschrumpft (das irani-sche Jahr geht von März bis Februar).
  • Öl-Export: das Öl-Export-Ge-schäft ist in den Jahren 2011-2013 um 56% zurückgegangen. Die Auswirkung dieses Rückgangs war durch den Preisverfall auf dem Öl-Welt-markt noch stärker.
  • Auto-Industrie: zwischen 2011 und 2013 fiel die Produktion von 1.420.000 auf 624.750 zu-rück, das entspricht einem Rückgang von 56%. Die Lockerung der Sanktionen im Jahr 2014 führte zu einem An-stieg der Produktion um 53%. Dieser Anstieg ist auch auf die Entwertung der iranischen Währung, einerseits, und auf die angehobenen Zollgebühren auf importierte Autos, andererseits, zurück zu führen.
  • Arbeitslosigkeit in den verschiedenen Industriezweigen
  • Eingefrorenes Vermögen: die Sanktionen haben unter anderem bewirkt, dass ein Devisenvermögen von harter Währung von umgerechnet $60 Milliarden der iranischen Zentralbank eingefroren war.

Die schlimmen Auswirkungen der Sanktionen auf die iranische Wirtschaft stellen nur die eine Seite der Medaille dar. Denn zieht man auch noch die Kosten der Sanktionen auf die sanktio-nierenden Nationen (USA, EU, etc.) in Betracht, kommt man auf genauso hohe Zahlen. Laut einer Studie des NIAC (National Iranian American Council) be-laufen sich die Kosten für ver-säumte Exporte in den Iran für die USA wegen der Sanktionen zwischen 1995 und 2012 auf Werte von sage und schreibe $134,7 – $175,3 Milliarden. Die Verluste der EU-Länder wegen der Sanktionen waren in den Jahren 2010-2012 doppelt so hoch wie die der USA. Deutschland war davon am härtesten betroffen. Betrachtet man noch die durch den Ausfall von Exportgeschäften theoretisch “verlorenen” Jobs, fällt die Bilanz der Sanktionen noch schwerer.
Angesichts dieser Horrorzahlen fragen sich viele Analysten, Intellektuelle, Politiker und Aktivisten nach der Sinnhaftigkeit und Sinn/Unsinn solcher Sanktionen.

 

Die Zukunftsmärkte

Im Juli diesen Jahres haben sich die P5+1-Gruppe und der Iran auf ein Atomabkommen geei-nigt. Die Chancen für die schritt-weise Aufhebung der Sanktio-nen und eine dauerhafte Lösung des Atomstreits stehen gut. Nun fragen sich viele Unternehmen aus Deutschland, der Schweiz, und Österreich, welche Chancen sie haben, wieder in dem Markt Fuss zu fassen und ins lukrative Geschäft mit dem Iran einzu-steigen. In der Tat bietet der ira-nische Markt Firmen hierzu-lande sehr lukrative Geschäfts-möglichkeiten. Um sich für die Zeit nach der Aufhebung der Sanktionen gut zu positionieren, ist es wichtig zu wissen, welche Industriezweige für das Land wichtig sind, welche Prioritäten sie haben, und in welchem Zu-stand sie sich befinden.

Öl- und Gasindustrie

Wie nicht anders zu erwarten, steht die Öl- und Gasindustrie an oberster Stelle der Prioritäten des Landes. Der Nachholbedarf in diesen Industriezweigen ist gewaltig. Um die Produktionskapazität wieder hoch zu fahren und neue Technologien einzuführen wird es Jahre dauern und grosse Investitionen er-fordern. Das weiss auch die politische Führung im Land und hat für die nächsten Jahre grosse Projekte geplant. Der iranische Minister für Industrie, Minen und Handel hat neulich verkündet, dass sein Land Projekte im Gesamtwert von $185 Milliarden bis 2020 vorgesehen hat, wenn die Sanktionen aufgehoben sind. Es ist hier wichtig zu erwähnen, besonders für KMUs aus der DACH-Region, dass solche Projekte nicht nur den Grosskonzernen wie Total S.A. vorbehalten sind. Erfolgreiche kleine und mittelständische Unternehmen beispielsweise im Maschinenbausektor können ein Teil der benötigten Technologien und Know-how liefern. Deshalb ist es falsch, dieses für den Iran strategisch wichtige Geschäftsfeld grossen Ölkonzernen zu überlassen.

Pharma- und Autoindustrie

Weiter auf der Prioritätenliste des Landes sollten die Pharma- und Autoindustrie stehen. Wegen der Sanktionen fehlen die-sen Industrien die nötigen Er-satzteile und Maschinen. Die Autoindustrie ist der zweit-grösste Arbeitgeber des Landes nach der Öl- und Gasindustrie.

Iran Khodro ist der grösste Autohersteller des Mittleren Ostens und produziert, trotz der Sanktionen, mehr Autos als andere Länder wie Italien, Österreich, Australien und die Niederlanden. Firmen aus der DACH-Region, besonders deutsche und Schweizer Firmen, können mit ihrer Expertise und Hightech-Industrie in der Auto- und Pharma-Industrie sehr viel rausholen. Auch wenn die Konkurrenz mit Automarken aus China stark sein wird, braucht der Iran westliche Hilfe, um weiter wachsen zu können.

Luft- und Raumfahrtindustrie

5914661633_7671753309_m (1)Wie alle anderen Industrie-zweige des Landes hat auch die Luft- und Raumfahrtindustrie schwer unter den wirtschaftlichen Sanktionen gelitten. Die USA haben amerikanischen Firmen den Verkauf von Flugzeugen und Ersatzteilen, sowie die Durchführung von Wartungsarbeiten verboten. Dies ist auch einer der Gründe, warum iranische Fluggesellschaften die schlechtesten Noten in Puncto Flugsicherheit haben. Das Ziel der Amerikaner war, die Lieferung von Teilen mit dualer Nutzung für zivile und militärische Zwecke zu unterbinden.
Um ihre Flotte zu modernisieren rechnet die staatliche zivile Luftfahrtorganisation des Landes damit, dass Iran umgerechnet $7,5 Milliarden investieren wird, um jährlich 30 Flugzeuge über die nächsten fünf Jahre zu beschaffen. Dieses Investitionsvolumen öffnet enorme Geschäftsmöglichkeiten für Firmen aus der DACH-Region.

Energiesektor und schwere Industrien

Der Iran hat in den letzten Jahren seine Subventionen für Gas drastisch geändert, um die Staatsausgaben in den Griff zu bekommen. Die Regierung hat damit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Auf der ei-nen Seite ist der Gasverbrauch zurückgegangen, was dazu führte dass der Regierung genug Gas für die Förderung Energieintensiver Industrien zur Verfügung stand. Auf der anderen Seite konnte die Regierung viel Geld sparen, um in die Entwicklung neuer Hightech-Industrien zu investieren.
Mit dieser Politik und aufgrund der Sanktionen avancierte das Land zu einem wichtigen Produzenten von Energie (sowohl für den heimischen Markt als auch für die Nachbarländer), Stahl, Zement, Geräte und Maschinen für den Erdölsektor (60% der Geräte und Maschinen kommen aus heimischer Industrie). In diesen Sektoren will das Land weiter wachsen, was weitere Möglichkeiten für europäische Firmen öffnet.

Die Hürden

Auch wenn sich die internationale Politik auf einem guten Weg befindet, eine dauerhafte diplomatische Lösung für den Atomstreit mit dem Iran zu finden, bleiben viele Hürden bestehen, die jedes Geschäft mit dem Iran erschweren können.

In den letzten Jahren ist der Einfluss der Revolutionsgarde in der Gesellschaft, in der Politik und in der Wirtschaft viel grösser geworden, als manchen Reformpolitikern lieb ist. Besonders durch die Privatisierung vieler staatlicher Betriebe haben Generäle und hochrangige Bedienstete der Revolutionsgarde an Einfluss gewonnen. Dies wird auf mittlerer und langer Sicht die Reformpolitik des Landes im Wirtschaftsbereich behindern.

Ein anderes strukturelles Problem, mit dem Iran noch zu kämpfen haben wird, ist die aufgeblähte Bürokratie und die damit einhergehende Korruption im Staatsapparat. Dies wird sowohl ausländische und private Investoren abschrecken, als auch die Reformen verlangsamen oder gar bremsen.

Eine weitere, nicht zu unterschätzende Hürde bleibt den Unternehmen aus Europa im Finanzbereich. Denn die Banken im Iran wurden während der jahrelangen Sanktionen aus dem Swift-System komplett ausgeschlossen. Dies führt dazu, dass Unternehmen zwar Maschinen in den Iran liefern könnten, wenn die Sanktionen aufgehoben sind. Aus dem Iran heraus kann momentan kein Geld ins Ausland überwiesen werden. Der gebeutelte Finanzsektor wird einige Zeit brauchen, um sich von den Sanktionen zu erholen.

Abschliessende Bemerkungen

Analysten zufolge wird das Atomabkommen in der ersten Hälfte von 2016 implementiert. Viele Firmenmanager aus der DACH-Region fragen sich, ob Sie jetzt aktiv werden sollen, oder vielleicht doch lieber die Ergebnisse der Verhandlungen abwarten. Andere befürchten, dass die oben genannten Hürden wie beispielsweise die Korruption ein grosses Handicap darstellen, bei ihren Anstrengungen, den Markt zu bearbeiten.

In einer Konferenz in Zürich brachte es Ali Amiri, ein erfolgreicher Unternehmer aus dem Iran, auf den Punkt: “Viele von Ihnen machen erfolgreich Geschäfte in Ländern, die beim Länderkorruptionsindex hinter dem Iran stehen. Und wenn Sie es in diesen Ländern geschafft haben, dann werden Sie es auch im Iran schaffen“.

Sharif Nezam-Mafi, der Leiter der Iranisch-Schweizerischen Handelskammer in Teheran, hat Manager dazu geraten, ihre Hausaufgaben zu erledigen, bevor sie ins Land gehen. Dazu gehören unter anderem Entwicklung von Marktanalyse, Konkurrenzanalyse, Risiko- und Opportunitäten-Analyse, Marketing, Geschäftsstrategie, Umsetzungspläne usw. Im Laufe der Zeit muss man diese an die lokalen Gegebenheiten und an die Geschäftsentwicklung anpassen. Es ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass eine abwartende Haltung die falsche Strategie bei der Erschliessung dieses strategisch wichtigen Marktes ist. Denn wer zu spät kommt, den bestraft der Markt.

Wir von Arab European Consulting können Ihnen helfen, alle notwendigen Massnahmen (Marktdaten, Partnersuche, Konkurrenzanalyse, Marktseg-mentierung, Go-to-Market-Strategie, Geschäftsstrategie, Projektplanung uvm.) zu entwickeln und zu implementieren. Durch eine professionelle Planung und eine konsequente Umsetzung Ihrer Pläne legen wir mit Ihnen den Grundstein für ein profitables und langfristiges Geschäft im Iran.

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